Kann das Gold aus einem alten Schmuckstück für eine neue Anfertigung wieder verwendet werden?
Grundsätzlich ja, aber:
Kurze Übersicht
Vorteile:
- Emotionen und Erinnerungen bleiben erhalten und können in einem neuen Schmuckstück weitergetragen werden
- Unter Umständen (aber nicht immer) kann Geld gespart werden, weil kein «neues» Gold gekauft werden muss
Nachteile:
- Prozess ist oft mit einem höheren Arbeitsaufwand verbunden, als mit «neuem» Gold (daher nicht unbedingt Ersparnis trotz eigenem Gold)
- Die Goldlegierung kann spröde oder porös sein
- Goldfarbe nur bedingt veränderbar
Bei Juwelier Messerer können wir Ihnen diese schöne Möglichkeit des «Upcyclings» zwar anbieten, und aus Ihrem mitgebrachten Gold ein neues Schmuckstück anzufertigen, aber um Ihnen die Machbarkeiten und Grenzen erklären zu können, müssen wir dieses Thema zuerst etwas von der technischen Seite beleuchten:
Technisches:
- Wenn wir in unserem Goldschmied-Atelier ein neues Schmuckstück herstellen, arbeiten wir mit sogenannt «frischem» oder «neuem» Gold:
Das Gold, das wir verwenden besteht zwar zu 100% aus Recycling-Gold, das heisst, es stammt aus einem geschlossenen Kreislauf, zu dem kein frisch gewonnenes Minen-Gold dazulegiert wird. Aber die Aufbereitung der Gold-Legierungen (wie z.B. das 18-Karat Gold, mit welchem wir arbeiten) aus den «Gold-Abfällen», die während der Arbeit in der Werkstatt anfallen und alten Schmuckstücken, ist sehr aufwändig und erfolgt in spezialisierten Edelmetall-Raffinerien. In aufwändigen Verfahren und unter sehr strengen Bedingungen werden beim Raffinieren alle einzelnen Elemente, die im Schmelzgut enthalten sind, chemisch getrennt. Diese werden zu 99,99 Prozent reinem Granulaten verarbeitet und danach wieder unter Einhaltung der strengen Vorschriften der Edelmetallkontrolle zu «frischem» 18-Karat Gold legiert.
. - Wenn wir nun das Gold aus einem von Ihnen mitgebrachten Schmuckstück in ein neues Schmuckstück umarbeiten, dann durchläuft das Gold diesen «Aufbereitungs-Prozess» nicht, da dies für ein einzelnes Stück wegen der kleinen Menge nicht möglich wäre. Natürlich können wir das Gold schmelzen und so in eine neue Form bringen, aber dabei müssen ein paar Punkte beachtet werden:
. - Gold-Legierungen sind je nach Hersteller sehr unterschiedlich. Nicht alle Gold-Legierungen haben die gleichen Qualitäts-Standards. Da wir nicht wissen können, wie das Gold aus Ihrem Schmuckstück ganz genau zusammen gesetzt ist, können wir nicht genau abschätzen, wie es sich beim Umschmelzen verhalten wird. Manche Legierungen können sehr spröde sein, sodass es z.B. ein Risiko wäre, daraus einen feinen Griff zu fertigen, der später einen teuren Edelstein halten soll. Oder beim Polieren des Schmuckstückes – der letzten Finish-Arbeit – zeigt sich, dass die Oberfläche porös ist (also feine Luftblasen eingeschlossen sind) sodass kein perfekter Hochglanz erreicht werden kann.
. - Weiter ist zu beachten, dass wir für eine Anfertigung in der Regel etwa doppelt so viel Gold verarbeiten müssen, wie das Endresultat am Ende enthält. Das heisst, dass wir entweder genügend Altgold von Ihnen erhalten sollten, oder noch weiteres Gold von uns dazulegieren müssen.
. - Ein weiteres Thema ist die Gold-Farbe: Wenn Sie uns z.B. Gelbgold-Schmuck bringen, aber lieber ein Schmuckstück aus Weissgold hätten, lässt sich die Farbe nicht einfach so umändern:
Eine klassische 18-Karat Gold-Legierung besteht aus 75% reinem Feingold. Die restlichen 25% sind Legiermetalle, die sich auf die Farbe der Legierung auswirken. So ist das Verhältnis in bestehendem Schmuck bereits vorgegeben. Wir können die Legier-Bestandteile nicht einfach trennen, da wir ja keine Raffinerie sind und das Raffinieren für solche kleinen Mengen nicht machbar wäre. Das heisst, um die Farbe verändern zu können, müssten wir noch weitere Metalle (z.B. Kupfer für Rotgold, oder Palladium für Weissgold) dazu schmelzen. Dann hätten wir aber das Problem, dass wir das Mischverhältnis von 3/4 Feingold und 1/4 Legiermetallen verlieren würden, und die Legierung somit keine 18-Karat Legierung mehr wäre.
Ein Stück weit können wir mit der Zugabe von zusätzlichem Feingold ein wenig Gegensteuern, aber in einem solchen Falle würden wir uns in den «Experimentier-Bereich» begeben und können beim Start der Arbeit den problemlosen Ausgang oder ein bestimmtes gewünschtes Resultat nicht genau garantieren.
Abwägungen:
Ob es machbar ist, Ihr eigenes Gold für ein neues Schmuckstück zu verarbeiten, hängt also von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel:
- Was für Gold wir als Ausgangslage von Ihnen erhalten
- Dem Design des neuen Schmuckstückes (Massive, schlichte Designs sind etwas unproblematischer, als feine Filigrane Designs)
- Ihrer Bereitschaft, gewisse «Unperfektionen» (z.B. in der Güte der End-Politur, oder der Goldfarbe) in Kauf zu nehmen
Alternativen:
Manchmal kann es sich gut anbieten, dass wir Ihr altes Gold nur für einen Teil eines neuen Schmuckstückes verwenden und heikle Bereiche mit unserem frischen Gold anfertigen. In jedem Falle können wir das Gold aus Ihrem alten Schmuckstück als Zahlungsmittel an eine Neuanfertigung anrechnen.
Abschliessendes:
Um auf die ursprüngliche Frage nun nochmals zurück zu kommen, ist vor allem entscheidend, wie wichtig für Sie der emotionale Wert des Goldes ist.
Wie Sie sehen, ist die Arbeit mit mitgebrachtem Kundengold zwar möglich, aber unter gewissen Vorbehalten zu betrachten. Unter Umständen können Sie ein wenig Geld sparen, weil wir kein frisches Gold verrechnen müssen, aber der Aufwand im Atelier kann je nach Ausgangsmaterial, Designwunsch und Verlauf etwas grösser sein und etwas mehr Herstellungskosten verursachen.
Auf jeden Fall kann es emotional eine wirklich wunderbare Sache sein, die Erinnerungen aus einem alten Schmuckstück in einem neuen «Gewand» weiter bei sich tragen zu können. Und in einem solchen Falle zählt in der Regel ja vor allem dieser emotionale Wert und nicht die perfekte Politur oder ein ganz bestimmter Gold-Ton.
Kommen Sie ungeniert mit Ihrem alten Schmuck bei uns vorbei und wir schauen uns die Möglichkeiten und Machbarkeiten genau an.