Welche Unterschiede bei einer Schmuck-Schätzung/-Bewertung gibt es?
Wir unterscheiden bei Juwelier Messerer in Zürich primär zwischen den folgenden drei unterschiedlichen Betrachtungsweisen für eine Schmuckschätzung:
- Wiederherstellungs-Wert: Schätzung für eine Wiederherstellung des exakt gleichen Stückes (höchster Schätz-Wert und i.d.R. hoher Schätz-Aufwand)
- «Klassischer» Versicherungs-Wert: Preis, den man im Falle eines Verlustes von der Versicherung erhalten würde (mittlerer Schätz-Wert und mittlerer bis hoher Schätz-Aufwand)
- Erbschafts-Teilung: Schätzung von oft grösseren Mengen bei Erbschaften (tiefster Schätz-Wert und i.d.R. kleiner bis mittlerer Schätz-Aufwand)
Weitere:
- Verkaufswert
- Marken- und Antik-Schmuck
Wiederherstellungs-Wert:
Schätzung für eine Wiederherstellung des exakt gleichen Stückes
Bei dieser Art der Beurteilung geht es darum, ein Schmuckstück z.B. bei einem Verlust zu dem eingeschätzten Preis möglichst exakt genau gleich wieder herstellen zu können. Beispielsweise weil es ein emotional wichtiges Erbstück oder Geschenk ist und die möglichst genaue Nachbildung emotional ein zentrales Kriterium ist.
Diese Art der Schätzung ist die Aufwändigste. Hier muss das zu schätzende Schmuckstück sehr präzise nach sehr vielen verschiedenen Kriterien beurteilt werden. Bei teuren Edelsteinen sollte im Idealfall ein Zertifikat vorliegen oder ein solches müsste angefertigt werden.
Der Aufwand für die Erstellung dieser Schätzung hängt aber auch stark vom Schmuckstück selber ab. Im Idealfall ist eine alte Quittung mit möglichst vielen Angaben vorhanden (Gold-Legierung und -Gewicht, Edelsteine Carat, Masse und allfällige Behandlungsmethoden, usw.) Diese Angaben erleichtern den Aufwand einer Schätzung erheblich.
Dennoch muss hier genau überprüft werden:
- Wie hoch wäre der Arbeitsaufwand, wenn das Stück von einem Goldschmied einzeln angefertigt würde?
- Was ist der aktuelle Marktpreis für die Edelsteine? (Bei teuren Edelsteinen kann dieser Research sehr aufwändig sein)
- Wie hoch sind die Kosten für Edelmetalle und andere Komponenten?
- usw.
Das Schmuckstück muss sehr genau dokumentiert und vermessen werden. Angaben wie die Grösse und geschätzte Gewicht der Edelsteine (Carat) müssen festgehalten werden.
Am Ende erhält der Kunde ein Dokument mit den geschätzten Angaben und einem oder mehreren Bildern.
Der Schätz-Preis liegt bei dieser Art der Beurteilung in der Regel am höchsten und kann unter Umständen sogar den Preis übersteigen, der für das Schmuckstück ursprünglich tatsächlich bezahlt wurde.
Zum Beispiel wenn:
- das Schmuckstück Seriell hergestellt wurde aber eine genaue Wiederherstellung einzeln von Hand angefertigt wird (wesentlich höherer Arbeitsaufwand als bei serieller Produktion)
- Oder wenn der Edelstein in einem Schmuckstück aus einem grösseren Lot eingekauft wurde und für die Wiederherstellung ein exakt gleicher Edelstein genau gleich zugeschliffen werden muss.
Fazit Wiederherstellungswert:
Vor der Ermittlung des Wiederherstellungswertes sollte sich der Kunde selber die Frage stellen, welchen emotionalen Stellenwert die exakt gleiche Wiederherstellung hat. Sowohl die Kosten für die Schätzung liegen hier höher aber auch die Versicherungsprämie wird teurer bei einem höheren Schätzwert.
«Klassischer» Versicherungs-Wert:
Preis, den man im Falle eines Verlustes von der Versicherung erhalten würde
Dies ist in der Regel der übliche Schätzwert für Versicherungs-Schätzungen. Hier geht es darum, welchen Betrag man von der Versicherung im Falle eines Verlustes bekommen würde.
Wie oben beschrieben, würde ein «klassischer» Versicherungswert unter Umständen die Kosten für eine ganz genau gleiche Wiederherstellung nicht vollumfänglich abdecken. Sie könnten sich jedoch für den Betrag ein ähnliches Schmuckstück kaufen.
Stellen Sie sich daher dafür bitte folgende Frage:
Bin ich als Kunde mit diesem Betrag happy und wäre es für mich in Ordnung, nicht unbedingt genau das gleiche, aber ein ähnliches Schmuckstück zu kaufen?
Der Aufwand für die Erstellung einer «klassischen» Versicherungs-Schätzung hängt auch hier stark vom Schmuckstück selber ab. Im Idealfall ist eine alte Quittung mit möglichst vielen Angaben vorhanden (Gold-Legierung und -Gewicht, Edelsteine Carat, Masse und allfällige Behandlungsmethoden, usw.) Diese Angaben erleichtern den Aufwand einer Schätzung erheblich.
Je detaillierter die Schmuckschätzung vorliegt (Beschreibung, Bilder usw.) um so besser für die Versicherung.
Erbschafts-Teilung:
Schätzung von oft grösseren Mengen bei Erbschaften
Wenn es darum geht, einen Nachlass für eine Erbschaft einzuschätzen, gelten nochmals ganz andere Kriterien als bei den beiden oben beschriebenen Schätz-Arten.
Hier geht es nicht primär darum, die Stücke zu versichern, sondern es geht darum, den Nachlass in mehrere, gleich wertvolle «Häufchen» aufteilen zu können. Dabei spielt vor allem die Überlegung eine Rolle, welchen Betrag bei einem zeitnahen Verkauf gelöst werden könnte. Da der zeitnahe Verkauf von Schmuckstücken in der Regel relativ schwierig ist, beurteilt man die Schmuckstücke sehr oft nur nach ihrem reinen Altgold-Wert. Dieser Preis lässt sich zuverlässig bestimmen und auch in kurzer Zeit realisieren.
Bei Schmuckstücken mit kostbaren Edelsteinen hängt es sehr stark vom Edelstein selber ab und in welcher Preisklasse sich dieser bewegt. Bei Werten im höheren 5- oder 6-stelligen Bereich (oder höher) muss die Situation gesondert eingeschätzt werden.
Eine gängige Vorgehensweise für Schmuckstücke, bei denen man nicht nur den reinen Altgold-Wert berücksichtigt sondern auch noch weitere Faktoren wie Edelsteine, Verarbeitung, Alter usw. bewertet:
Man ermittelt den «klassischen» Versicherungswert und setzt davon 1/3 als Wert für die Erbschaft ein. (Vorausgesetzt, dieser Betrag liegt nicht unter dem Altgold-Preis)
Weitere:
Verkaufswert, Marken- und Antikschmuck
Beabsichtigt man, ein Schmuckstück auf einer Versteigerung, bei einem Schmuckhändler oder privat zu verkaufen, müssen wieder andere Aspekte berücksichtigt werden. Hierfür ist sind Faktoren wie der Zustand des Schmuckstückes, Abnutzungen, allfällige Reparaturarbeiten und Anpassungen, die in der Vergangenheit vorgenommen wurden, Zustand der Edelsteine, Kratzer auf der Oberfläche usw. sehr entscheidend.
Beim Verkauf von Markenschmuck hat der möglichst tadellose Zustand in der Regel einen sehr hohen Stellenwert, wo hingegen bei einem Antikschmuckstück eine gewisse «Patina» zum Charakter des Schmuckstückes dazu gehört.
Zu welchen Preis ein privat verkauftes Schmuckstück verkauft werden kann, hängt von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab:
Der wichtigste Faktor dabei sind Sie:
- In welchem Zeitrahmen möchten Sie das Stück verkaufen? Wie viel Geduld haben Sie? Möchten Sie das Stück möglichst schnell verkaufen, müssen Sie in der Regel Abstiche im Preis in Kauf nehmen. Wenn Sie Zeit und Geduld haben, steigen die Chancen, einen höheren Preis zu erzielen.
- Über welche Kanäle und wie gut können Sie das Stück präsentieren? Haben Sie professionelle Bilder und einen ansprechenden Beschreibungstext?
- Planen Sie den Verkauf über eine Onlineplattform, ein «gemietetes» Schaufenster, eine Ausstellung, eine Auktion usw.? Bei allen Kanälen gelten unterschiedliche Herangehensweisen und Bedingungen.
- Wie gut können Sie «verkaufen»? Schmuck-Kauf ist oft ein «People-Business» und der Käufer möchte Ihnen vertrauen können.
- Wie gut sind Sie im Verhandeln?
- usw.
Schlussendlich braucht es für einen erfolgreichen Verkauf nicht nur den Verkäufer und das Schmuckstück, sondern vor allem den passenden Käufer. Käufer und Verkäufer müssen sich finden und sich über den Preis einig werden. Erst dann findet ein Verkauf statt.
Weil wir wissen, mit wie vielen Herausforderungen der Verkauf von Schmuck verbunden ist und wie viel Zeit in den Aufbau einer vertrauensvollen Kundenbeziehung investiert wird, sind wir vorsichtig, vom «Verkaufswert» eines Schmuckstückes zu sprechen.
Der Verkaufspreis ist schlussendlich Verhandlungssache zwischen Verkäufer und Käufer und eine Zahl auf einem Papier entscheidet noch nicht darüber, ob ein Schmuckstück zu diesem Preis auch wirklich verkauft werden kann.
Weshalb Juwelier Messerer keine Schmuck-Schätzungen anbietet:
„Eine gute Schwäche ist besser als eine schlechte Stärke. “
– Charles Aznavour –
Wie Sie diesem Artikel entnehmen können, ist die professionelle Schätzung von Schmuckstücken eine sehr Aufwändige Arbeit. Leider fehlen uns in unserem sehr intensiven Arbeitsalltag die Kapazitäten, die es für die saubere und seriöse Begutachtung von Schmuck-Schätzungen braucht.
Wir möchten uns voll und ganz auf unser Kernbusiness – die Anfertigung von exklusiven Unikat-Schmuckstücken – fokussieren können. Und weil wir darin gut sind, wissen wir auch um unsere Grenzen. Deshalb sind wir davon überzeugt, unseren Kunden den grössten Mehrwert zu bieten, in dem wir Sie für gewisse Schmuck-Anliegen an die dafür spezialisierten Adressen weiterempfehlen.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.